Ökumenische Bibelwoche in Ohrdruf

Vom 8. – 14. Juni 2026 trafen sich die drei christlichen Kirchen Ohrdrufs – die katholische, evangelische und neuapostolische Gemeinde – zu einer gemeinsamen Bibelwoche. Eine Woche lang waren Interessierte eingeladen, gemeinsam jeden Abend Gemeinschaft und Glaubensstärkung mitzuerleben. Am abschließenden Sonntag wurde dann ein gemeinsamer ökumenischer Gottesdienst gefeiert.

Vorausgegangen waren zwei Vorbereitungstreffen, zu denen die Vertreter der evangelisch-lutherischen Gemeinde Ohrdruf eingeladen hatten. Schnell waren sich die Verantwortlichen einig, die Bibelwoche gemeinsam zu gestalten und sie mit einem gemeinsamen Gottesdienst krönend abzuschließen. Nach der Besprechung und Verteilung der einzelnen Beiträge wurden auch die Veranstaltungsorte paritätisch aufgeteilt. Jeweils zwei Abende waren in einer der drei Kirchengemeinden vorgesehen.

Schon nach diesen ersten konstituierenden Sitzungen war etwas Neues entstanden, ein von einem Geist inspiriertes Ganzes.

Mit Freude und Engagement liefen die Vorbereitungen an. Als Thema der Bibelwoche war das alttestamentliche Buch Ester vorgegeben. Erzählt wird in diesem Buch vom Schicksal der Jüdin Ester, die mit ihrem Ziehvater im babylonischen Exil lebt und durch die Lenkung Gottes zur Königin wird.

Als ihr väterlicher Freund von einem Mordkomplott gegen die Juden in Babylon erfährt, teilt dieser es Ester mit, die daraufhin unter Lebensgefahr den König informiert, um das Pogrom zu vereiteln. Der Tag des Anschlags auf die Juden wurde von den Verrätern per Los bestimmt. Das Wort für Los heißt im hebräischen pur und die Mehrzahl purim. In Gedenken an die Vereitelung dieses Terroraktes wird im Judentum bis heute das Purimfest gefeiert.

Eine Auffälligkeit dieser Erzählung ist, dass im ganzen Ablauf der Geschehnisse nie von Gott die Rede ist. Er wird nicht angerufen oder angebetet und dennoch ist seine Nähe und Führung spürbar. Er lenkt alles so, dass Heil und Rettung geschehen können.

Mit den Erkenntnissen aus dem Buch Ester weitete sich der Blick aller Teilnehmenden. Nicht im kleinen begrenzten Kirchlein ist Gott zu erleben, vielmehr ist seine Größe und Güte über standesgemäße Grenzen hinweg erfahrbar.

In den gemeinsamen Stunden wurde nicht über Unterschiede und Differenzen gesprochen, auch gar nicht viel über Gott. Trotzdem fühlten sich alle Teilnehmer von einem Geist beseelt und getragen. Nicht die konfessionellen Unterschiede machten jeden Abend zu einem besonderen Erleben, sondern das gemeinschaftliche, offene, freundliche und geschwisterliche Miteinander. Das machte allen Lust auf eine Fortsetzung, die sogleich ins Auge gefasst wurde. Ökumene ist nicht nur ein Fachbegriff, sondern kann, wenn sie mit Leben gefüllt wird, reichen Segen bringen.